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am 23. April

Payergasse – ein trauriges Kapitel verfehlter Stadtentwicklungspolitik

Teresa Voboril - Die Coronakrise hat´s gezeigt: Das eigene Heim, der eigene Garten, der Park vor der Haustür sind wichtig für das Wohlbefinden.

Innerhalb kürzester Zeit fanden sich viele Menschen im Homeoffice wieder, Pendlerwege und viele Kilometer mit dem eigenen Auto wurden eingespart. Zudem stieg die Anzahl von alternativen Mobilitätsangeboten wie Carsharing und E-bikes. Der Bund steckt Geld in den Ausbau attraktiver Zugverbindungen und in Mödling nimmt der Ausbau der Südbahnstrecke konkrete Formen an. Dass Stadtplanung den Klimawandel mitdenken muss, ist beim größten Teil der Bevölkerung angekommen. Nicht umsonst gibt es Förderungen für Baumpflanzungen auf Privatgrund, für Dachbegrünung und Photovoltaikanlagen. 

Vor diesem Hintergrund erscheint es völlig unverständlich und gestrig, dass ein grüner Hinterhof (Payergasse 22-30), der bisher als Spielfläche für Kinder und schattige Ruheoase für ältere Menschen gedient hat, in eine ebenerdige Parkflächen für PKWs und Motorräder umgewandelt wird. Die Parkplätze dienen nicht einmal den Bewohner*innen des Hauses sondern sind teils als Abstellplätze für ein anderes Bauprojekt (Haydngasse) gedacht. Begründet wird dies immer wieder mit der herrschenden Parkplatznot. Die leeren Abstellflächen vor dem neu errichteten Krankenhaus sprechen eine andere Sprache. Mit einer Parkraumbewirtschaftung der Schöffelstadt, die Parkpickerl für Anrainer*innen enthält, könnte man für einen Ausgleich zwischen kostenpflichtigen Stellplätzen für Krankenhausgäste und Gratisparkplätzen für Bewohner*innen sorgen.
Hintere Baufluchtlinien hätten die Bebauung der Innenhöfe verhindert

Seit dem Sommer des letzten Jahres haben Bürger*innen gemeinsam für die baumbeschattete 2700m2 Gemeinschaftsfläche vor den Schlafzimmern gekämpft, 130 Unterschriften von direkt Betroffenen gegen das geplante Projekt gesammelt, Protestbanner gehisst, in Gemeinschaftsaktionen tagelang ihre Wiese „besetzt“, damit die riesigen, schattenspendenden Linden erhalten bleiben, unzählige Telefonate mit Lokaltpolitiker*innen, Zeitungen, etc. geführt. Die Grünen Mödling haben diese Aktionen unterstützt, war es doch während seiner Zeit als Stadtrat für Stadtentwicklung ein Anliegen des Vizebürgermeisters Praschak hintere Baufluchtlinien einzuziehen um die Versiegelung der Höfe zu verhindern.

Nun, wenige Monate später, bevor das Parkplatz-Baubewilligungsverfahren abgeschlossen ist, da Anrainer*innen der benachbarten Eigentumswohnungen von ihren Nachbarschaftsrechten Gebrauch gemacht haben und sich weiterhin gegen den Bau der „begrünten Parkplatzlandschaft“ wehren, wurden die 80-100 jährigen Linden in der Woche nach Ostern gefällt. Da die Linden im letzten Jahr im Zuge der Aktionen ein Naturdenkmalschutzverfahren durchlaufen haben, wundert man sich über den „plötzlichen Befall“. Vielleicht können auch Bäume aus Kränkung immunschwach werden? Oder sie leiden unter falschen Schnittmaßnahmen… wir werden es nicht mehr erfahren… In Niederösterreich fehlt ein Baumschutz auf Privatgrund gänzlich – nicht nur angesichts der vielen gefällten uralten Bäume allein in der Stadt Mödling in den letzten Jahren meinen wir Grünen Mödling ein großes Versäumnis.

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