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am 10. Februar 2014

Essen auf Rädern

Andrea Lorenz - Essen auf Rädern in Brunn entspricht nicht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)!

ESSEN AUF RÄDERN

NUR MOBIL – UND SONST?

Warum bestellt jemand bei „Essen auf Rädern“? Meistens aus einer schwierigen Situ­ation heraus – das Kochen für eine Person ist zu viel Aufwand, das Einkaufen und Ko­chen ist körperlich zu anstrengend und einfach nicht mehr zu schaffen.

Die BezieherInnen von „Essen auf Rädern“ sind demzufolge meist älte­re Menschen mit mehr oder minder großen Einschränkungen im täglichen Leben, häufig an chronischen Erkran­kungen leidend wie z.B. Diabetes, Blut­hochdruck, Gelenksbeschwerden, . . . Logisch wäre daher, ein besonders auf die Bedürfnisse dieser Menschen zuge­schnittenes Angebot an ausgewogener und abwechslungsreicher Ernährung anzubieten.

Nachdem es ja doch immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung gibt, haben die Grünen Brunn einer Diätolo­gin einige Speisepläne vorgelegt und gleichzeitig eine diesbezügliche Anfra­ge an den Bürgermeister gestellt. Die Antworten werden Sie überraschen!

Sicht der Diätologin:
  • Werden die angebotenen Suppen selbst gekocht? Das Tagesangebot hört sich leider nach Instantpro­dukten aus dem Chemieregal an. Verwendung von sehr vielen Fer­tigprodukten – Leberkäse, Berner Würstel, . . .
  • Teilweise Verwendung von Speisen die nicht „zusammenpassen“ – Ei­ernockerln mit Champignons???? Oder Bezeichnungen, die viele sehr alte Menschen einfach nicht kennen – Penne a la Pomodoro, oder was sind Schinkenkartoffel?
  • Das Angebot ist häufig nicht der Saison entsprechend – Grammel­knödel mit Sauerkraut im Hochsom­mer?
  • Tendenziell häufig fette / frittierte Speisen – Augsburger, Bratwürstel, Fleischlaibchen, . . . oder blähende Speisen – Linsen, Germknödel, . . .
  • Nicht immer gibt es die Möglichkeit auch fleischlose Speisen zu bestel­len und wenn, dann sind dies Süß­speisen
IST- VERSUS SOLLZUSTAND

Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) hat klare Richtlinien für „Essen auf Rädern“ erstellt, die weg­weisend für eine gesunde Ernährung im Alter ist.

Die Tabelle zeigt, welche Richtlinien bei der Brunner „Essen auf Rädern“ Variante nicht ein­gehalten werden (Auswertung aus einer Kalenderwoche).

Anzumerken sei: Viele Speisen eignen sich nicht für längere Zeiten zwischen Produktion und Verzehr!

Was für die KonsumentInnen von „Essen auf Rädern“ in Brunn noch erschwerend dazu kommt, ist ein kei­neswegs informativer Speiseplan!

  • Es gibt KEINE Angaben über Kalo­rien (ältere Menschen sind häufig in der Gefahr der Mangelernährung!!)
  • KEINE Angaben bezüglich Brotein­heiten – für DiabetikerInnen lebens­wichtig!!!!
  • KEINE Angaben bezüglich Lactose und Fructose (viele Menschen leiden aber an Allergien)
  • KEINE Angaben über mögliche andere Allergene (Nüsse, . . .)

Zitate aus dem Antwortschreiben des Bürgermeisters

  • „Welchen nationalen oder internati­onalen Ernährungsstandards un­sere Essensangebote für Essen auf Rädern . . . entsprechen ist mir nicht bekannt.“
Antwort auf die Frage nach Beschwer­den und Anregungen:
  • „Die Evaluierung erfolgt bei Essen auf Rädern durch die Konsumenten selbst, durch Rückmeldungen und Befragung des Personals, welches das Essen ausliefert. . . . Bei allen Konsumentengruppen ist genügend kritisches Potential vorhanden. Auf Beschwerden und Anregungen wird rasch und flexibel reagiert.“
Antwort auf die Frage nach Qualitäts­standards:
  • „. . . Es handelt sich um angesehene Brunner Gastronomiebetriebe, die bis dato zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde und der Konsumenten arbeiten. Die Betriebe unterliegen ständigen Betriebsrevisionen der amtl. Kontrollen gemäß Lebensmit­telsicherheits– und Verbraucher­schutzgesetz. (. . . Kontrolle der Waren und der Hygienevorschriften – NICHT Qualität und Zusammen­setzung der Produkte!!!!) . . .“

Einige Gedanken zu dieser Beantwor­tung:

  • Die Evaluierung erfolgt also münd­lich von Seiten des Personals und der KonsumentInnen – wie wird damit konkret umgegangen? Wer schreibt die Beschwerden gezielt auf, wer sammelt diese und wie reagiert man dann flexibel?
  • „. . . es ist genügend kritisches Po­tential vorhanden“ – heißt das, dass es Beschwerden gibt? Und wenn ja welche und wie häufig?
  • Systematische Evaluationen von Ser­viceleistungen aller Art sind heute absolut üblich und für praktisch alle Betriebe zur Qualitätsüberprüfung und –entwicklung lebensnotwendig. Nur wenn ich weiß, was die KonsumentIn­nen von meinem Produkt denken, kann ich flexibel auf den Bedarf reagieren und konkurrenzfähig bleiben. Schade ist, dass es für die Gemeinde nicht so wichtig erscheint, dieses Quali­tätsmerkmal einzusetzen. Ein einfacher Fragebogen für die KonsumentInnen, laufender Check des Angebotes durch eine Diätologin und ein transparentes Beschwerdemanagement würden mit sehr einfachen Mitteln einen besseren Qualitätsstandard ermöglichen und vor allem die Gesundheit unserer älteren MitbürgerInnen langfristig verbessern.