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am 7. November

Kapitalismus - wie weiter?

- Fabian Scheidler, Autor von "Das Ende der Megamaschine" und "Chaos. Das neue Zeitalter der Revolutionen" ist zu Gast in der Mödlinger Stadtgalerie.

Fabian Scheidler ist wohl so etwas wie der neue Hugo Portisch. Ein Welterklärer, der geopolitische Vorgänge wie kein zweiter brillant von der Wurzel her, historisch fundiert aufschlüsseln und allgemein verständlich erzählen kann. Und der darüber hinaus nicht in der Analyse und Diagnose stecken geblieben ist, sondern besonders auch in seinem jüngsten Werk eine Reihe von Lösungsansätzen aufzeigt, die die Hoffnung lebendig halten, dass wir aus diesen multiplen Krisen doch noch irgendwie herauskommen bzw. die zu befürchtenden Schäden für die allermeisten erträglich abmildern können.

Gewiss die Neigung sich dem Fatalismus hinzugeben ist heutzutage schon beängstigend allgegenwärtig. Den Klimawandel, die ökologische Krisen doch noch irgendwie abzufangen, scheint an dumpfer Gewohnheit und satter Bequemlichkeit zu scheitern. Wer gegen das immer größer werdende Ungleichgewicht innerhalb unserer Gesellschaften ankämpft, wo wenige mit dem nötigen Kleingeld sich praktisch jeden Einfluss kaufen können, sieht sich einem Propaganda-Tsunami gegenüber, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Angriffe auf menschenrechtliche Errungenschaften werden immer unverfrorener. Der vollständige Sieg jener, die die Gesellschaft atomisiert sehen wollen, zerhackt in Milliarden leicht zu manipulierender Einzelteile, scheint schon in greifbare Nähe gerückt zu sein. Margret Thatchers "there's no such thing as society" war keine Behauptung sondern ein Befehl, der schon fast endgültig vollzogen ist.

Aber haben es unsere Kinder wirklich verdient, in einer menschlich derart kalten Welt zu leben? Wo das Subjekt, der Mensch an sich, fast jede Bedeutung verloren hat und nur mehr das Verwertbare am Menschen zählt, wo alles Unbekannte Ding oder Feind sein muss? Wo nicht mehr viel fehlt und jeder Kuss verrechnet wird? Und wie kommen überhaupt all die Lebewesen, die unseren Planeten bevölkern, dazu, an unserem Müll zu ersticken, von unseren Ausscheidungen vergiftet und in immer kleinere Lebensräume zurückgedrängt zu werden, bis sie schließlich dort auch noch in die Fänge der "Megamaschine" geraten und komplett ausgelöscht werden?

Ja, ich weiß, es ist eine gigantische Zumutung! Wie kommen schließlich all die vielen im Grunde Unschuldigen eigentlich dazu, die bereits angerichteten immensen Schäden zu beseitigen? Wie kommen sie dazu, ihre Lebenszeit damit zu verbringen, hinter den Gierigen herzuräumen, um die realen und mentalen Landschaften wieder von all dem teils toxischen Unrat frei zu machen? Wie kommen wir dazu, die realen und mentalen Böden entgiften zu müssen, um sie wieder lebendig und urbar zu machen? Ok, ich geb's zu, das jetzt fällige "Bewusstseinsaufforstungsprogramm" hat auch etwa Euphorisierendes - noch nie hat es so viel Sinn gestiftet, das jetzt in Angriff zu nehmen! :)

Umso mehr freut es mich, dass uns Fabian Scheidler am 23. November in der Mödlinger Stadtgalerie die Ehre gibt und seine Bücher zur weiteren Besprechung vorstellt. Ich möchte aus ganzem Herzen dazu einladen! Für uns Grüne im Bezirk Mödling ist das zugleich auch der Auftakt zu einer großen Initiative, durch die wir unsere Gemeinden in Richtung Gemeinwohlgemeinden bewegen wollen. Eine Gemeinwohlgemeinde orientiert sich nicht ausschließlich am BIP, am Bruttoinlandsprodukt, sondern vielmehr am tatsächlichen realen und mentalen Wohlstand der Menschen. Hier ist die Politik in Zeiten wie diesen extrem gefragt. Ja, hier sind wir alle gefragt.

Herzliche Grüße
Christian Apl


Zur Ankündigung im Netz: http://bezirk.moedling.gruene.at/themen/oekonomie-und-wirtschaft/kapitalismus-wie-weiter

Zur Veranstaltung auf Facebook: https://www.facebook.com/events/936751509824446/

Zum Thema Gemeinwohlgemeinde: https://www.ecogood.org/de/gemeinwohl-bilanz/gemeinden/