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am 29. August 2019

Kultur am Land - die europäische Perspektive

Gabriele Gerbasits - Gabriele Gerbasits, Europagemeinderätin, über Herausforderungen für kleine Gemeinden

Woran denkt man bei Europäischer Kulturpolitik: Vermutlich an Europäische Kulturhauptstädte wie Linz, Graz, Bilbao oder Marseille. Seit einigen Jahren diskutiert die Europäische Union verstärkt über das kulturelle Angebot in Regionen außerhalb der Städte. Dabei ist recht schnell klar geworden: Dörfer an der Peripherie von Städten ‒ die mit ihren dichten Angeboten eine enorme Konkurrenz bilden ‒ müssen besondere Herausforderungen meistern, um ihr Publikum anzusprechen. Denn Angebote, die in der Stadt funktionieren, funktionieren noch lange nicht am Land und umgekehrt.
 
Aktuell werden die neuen Europäischen Kulturprogramme für 2021-2027 verhandelt. Insbesondere „Creative Europe“ ist ein Förderprogramm, das 1,5 Milliarden Euro für kulturelle Schwerpunkte ausschüttet.

Der Fokus in den letzten Programmjahren lag auf Publikumsentwicklung, Mobilität und Vielfalt. Einige Projekte konnte ich in diesem Programm bereits durchführen. Durch meine Tätigkeit in der Gemeinde habe ich Einblick in die Anforderungen bekommen, vor denen Gemeinden am Stadtrand oder am Land stehen. Ich setze mich daher auch in meiner beruflichen Tätigkeit in der IG Kultur Österreich, in Arbeitsgruppen auf nationaler und internationaler Ebene dafür ein, dass einer der neuen Förderschwerpunkte die Kulturvermittlung imländlichen Raum sein soll.
 
Ich konnte mir europaweit verschiedene Lösungsansätze ansehen und mich vor Ort über die interessanten Ideen und Erfahrungen austauschen. So entstand in Bury (12 km nördlich von Manchester) ein kleines „Kulturviertel“ mit einem Heimatmuseum, welches auch einen Veranstaltungsraum für Kino und Konzerte bietet. Deren Trick: Es setzt auf ein Angebot, das gezielt nicht mit Manchester in Konkurrenz tritt.
 
Herausragend war die Initiative der Gemeinde Segovia nordwestlich von Madrid: Die Gemeinde hat ein aufgelassenes Gefängnis in ein Kreativzentrum mit Aus- und Weiterbildungsangeboten umgebaut.
 
In Olesnica (30 km nordöstlich von Breslau) besuchte ich ein altes Bauernhaus, das in ein Heimatmuseum umgebaut wurde. Im Hof wird ein Wochenmarkt organisiert und im modernen Zubau findet die Vermittlung von alten Kulturtechniken statt.
 
Im Oktober hält das kulturpolitisch europäische Netzwerk Culture Action Europe in Kreuzlingen seine Jahreskonferenz zu „Kulturelle Praxis in nicht-urbanen Gebieten“ ab. Ich werde teilnehmen und einige Interviews für die Radiosendung „Bewegungsmelder Kultur“ aufnehmen. Die Ergebnisse der Konferenz werden ebenfalls in die Vorbereitungen der EU-Kommission für ein neues Kulturförderprogramm fließen.
 
Für Kaltenleutgeben strebe ich an, dass sich die nächste Förderperiode der EU tatsächlich dem ländlichen Raum widmet und Fördergelder für Aktivitäten in kleinen Gemeinden ausgelobt werden. Wir alle sind Europa und können gemeinsam vieles umsetzen!