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am 3. Juni

Klimawandel - Ignoranz führt zur Katastrophe

- Die Entscheidung des mehr als unglückselig agierenden Donald Trump, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, sorgt berechtigterweise für große Aufregung. Aber was macht Österreich?

Die Entscheidung des mehr als unglückselig agierenden Donald Trump, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, sorgt berechtigterweise für große Aufregung. Aber auch wenn wir hierzulande gerne über den ‚fossilen‘ amerikanischen Präsidenten spotten, der den menschengemachten Klimawandel negiert und für eine chinesische Erfindung hält, müssen wir uns eingestehen, dass wir in Österreich zwar wissen, dass wir Mitverursacher des Klimawandels sind, aber kaum mehr zur Verbesserung der Klimabilanz beitragen als die USA. Wir spielen uns zwar gerne als die größten Hüter von Klima und Umwelt auf, sind aber seit 1990 im Kampf um eine Reduktion der CO²-Emissionen keinen Schritt weitergekommen (während in den USA der Pro-Kopf-Ausstoß an CO² immer­hin um 10% gesenkt werden konnte, allerdings noch immer mehr als doppelt so hoch ist wie bei uns). Die klimaschädlichen CO²-Emissionen des Verkehrs sind in Österreich in diesem Zeitraum sogar um mehr als 60% gestiegen!

Und was tun wir dagegen?

Wir wollen nach einem den gesetzlichen Klimavorgaben entsprechenden, in Sachen Klima­schutz zukunftsweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Verbot des Baus der 3. Landepiste in Schwechat) gleich die Verfassung ändern, damit ja niemand noch einmal auf die Idee kommt, unseren Lebensraum zu schützen. Das alles zerstörende Wachstum darf nicht behindert werden, die ‚marktkonforme Demokratie‘ (© Merkel) ist die unumstößliche Vorgabe unseres politischen Systems. Dabei gefährdet eine rückwärtsgewandte Energie- und Klimapolitik, die die Erkenntnisse der Wissenschaft ignoriert, die Wirtschaft à la longue mehr als eine zukunftsge­rich­­tete und nachhaltige. Das sollten unsere Politiker, die Gewerkschaften und Kammern, ja, wir alle endlich begreifen, bevor es zu spät ist.

Raubbau und Zerstörung statt Schutz der Atmosphäre

Seit Beginn der Industrialisierung ist die Temperatur auf der Erde kontinuierlich gestiegen. Natürliche Schwankungen im Erdklima gab es schon immer, doch sie entwickelten sich über sehr lange Zeiträume. Die heutige Entwicklung geht rasant vor sich und es ist nachweisbar, dass das gemessene CO² in der Atmosphäre fossilen Ursprungs ist, also primär aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas stammt. Somit ist wissenschaftlich unstrittig, dass es sich heute um einen sog. anthropogenen, also einen vom Menschen ausgelösten Klimawandel handelt, auch wenn Klimaskeptiker, die nachweislich zumeist von besonders umweltschädigenden Konzernen bezahlt werden, nicht müde werden (dürfen), das Gegenteil zu behaupten.

Wahr ist, dass die maßlose Verbrennung fossiler Energieträger unseren Planeten zu einem Treibhaus macht. Mit verheerenden Folgen für alles irdische Leben: die Zunahme von Wetterextremen jeder Art, Süßwassermangel, Artensterben, Entwaldung, Bodenerosion und die Vernichtung von Ernten bedrohen die Menschheit. Die Konsequenz sind mehr Unruhen, Elend und Kriege, Abwanderung und noch mehr Flüchtlinge. Nur eine drastische Senkung des Treibhausgasausstoßes kann uns retten.

Die anvisierte globale Energiewende bis zum Jahr 2050 einen vollständigen Ausstieg aus fossilen Energien und den Umstieg in erneuerbare Energien bringen, vorausgesetzt, dass das die Trumps dieser Welt nicht zu verhindern wissen. Es darf aber nicht sein, dass nach den mühsamen, aber letztendlich erfolgreichen Verhandlungen über den absolut notwendigen globalen Klimaschutz nun wieder die Stimmen die Oberhand gewinnen, die mit Blick auf die Vereinigten Staaten und eigene Vorteile eine weniger ehrgeizige Klimapolitik fordern.

Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen, das im April 2016 von mehr als 170 Staaten unterzeichnet wurde, hat sich die Weltgemeinschaft zum Schutz unseres Klimas verpflichtet. Dieses Abkommen und die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung müssen endlich zur Leitlinie allen politischen und persönlichen Handelns werden. Auch in Österreich, zumal sich die die Energiewende nicht nur fürs Klima rechnet, sondern auch für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt: Wissenschaftler haben berechnet, dass alle für die Energiewende notwendigen Investitionen durch die eingesparten Brennstoffkosten gedeckt werden können und außerdem durch die Umstellung bis 2030 weltweit mehr als 20 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Neben diesen Vorteilen können durch die Energiewende noch Innovationsschübe und zusätzliche positive Impulse für die Weltwirtschaft erwartet werden.

Kein Nachteil ohne Vorteil: die Ignoranz des amerikanischen Präsidenten sowie die weltweiten Reaktionen darauf haben die Brisanz des Klimawandels aufgezeigt und das Thema wieder stärker in den Fokus gerückt. Dadurch besteht eine reelle Chance, dass nun wieder mehr in dieser Sache weitergeht und mit einem ‚Jetzt-erst-recht-Aktionismus‘ ein internationaler Schulterschluss gelingt, der die USA isoliert und so früher oder später in die Knie zwingt. Die Devise lautet nicht ‚America -‘‚ sondern ‚Planet first‘ und dieser haben sich alle unterzuordnen.

Mag. Stephan Weinberger
Sprecher der Grünen Hinterbrühl, gewerbl. gepr. u. unabh. Vermögensberater