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am 31. Dezember 2019

Klimawandel - Klimapanik?

Karl Breitenseher - Die Klimakrise ist real, und sie ist eine Herausforderung für die Menschheit des 21. Jahrhunderts

Vielleicht hat der/die eine oder andere von euch schon Videos oder Nachrichten von Ivar Giaever gesehen, gelesen oder gehört: der Physiker gehört zu den vehementesten Klimakrisen-Kritikern und wird deshalb gerne von Klimawandel-Leugnern und politisch rechts-orientierten Gruppierungen zitiert. Untermauert werden Zitate meist mit dem Hinweis, dass Giaever 1973 den Nobelpreis für Physik (- betreffend das Tunnel-Phänomen in Halb- und Supraleitern, Anm.) erhielt und deshalb seine Thesen richtig sein müssten.

Interessanterweise gab er aber sogar öffentlich an, sich nicht besonders für das Klima zu interessieren, und Infos dazu in lediglich einem halben Tag "googeln" zu bekommen - und dennoch wird er gerne als "Experte" gehandelt. So fragt er etwa, was 1° Erwärmung schon für einen Unterschied ausmachen könne. Dabei übersieht Giaever aber, dass es sich bei der in Graden gemessenen Erwärmung um globale geltende Zahlen im Jahresmittel handelt und die Erwärmung regional unterschiedlich große Konsequenzen mit sich bringt. Die Kombination von hohen Schwankungen mit kontinuierlicher Erwärmung führt zu immer mehr Temperaturextremen.

Was also können 1° oder 1,5° mehr schon tatsächlich ausmachen?
Der Temperaturunterschied bezieht sich auf die Durchschnitts-Temperatur in der Vor-Industriellen Zeit (~ vor 1850). Mit der Industrialisierung begann man nicht nur vermehrt Wälder zu roden, sondern zunehmend auch fossile Brennstoffe abzubauen und zu verbrennen. Zusätzlich stieg auch die Bevölkerungszahl und damit das Stillen von Bedürfnissen in höherer Zahl. Es ist erwiesen, dass mit Beginn dieser Epoche eine menschengemachte Erwärmung erfolgt, zusätzlich zu "natürlichen" Veränderungen, welche die Menschen nicht beeinflussen können, und die es im Laufe der Geschichte immer wieder gegeben hat.
Die durch Menschen verursachte Erwärmung zeichnet sich dadurch aus, dass sie in kürzester Zeit erfolgt und das global. Natürliche Veränderungen wurden bisher nie auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit beobachtet, außerdem erfolgte der Wandel in Zeiträumen von Tausenden Jahren.

Hierzulande machen sich Auswirkungen bereits bemerkbar, durch Trockenheit, Ernte-Einbußen, Erosion, Schmelzen der Gletscher, Schädlingsdruck in der Land- und Forstwirtschaft.
Bereits ab 1,5° müssen flachere Inselstaaten umgesiedelt werden, in anderen Regionen wird der Anbau von Feldfrüchten nicht mehr ermöglicht (Klima-Flüchtlinge).
Ab einer Erwärmung um 2° bis 3° Celsius gelten die Folgen als nicht mehr beherrschbar ...


Treibhausgase wie CO2 (Fossile Brennstoffe; Verlust CO2 bindender Böden und Wälder), Lachgas (Stickoxide aus der industrialisierten konventionellen Landwirtschaft), Methan (Deponien; intensive Nutztierhaltung) sind vorrangig für eine gesteigerte Erwärmung verantwortlich zu machen. Seit Beginn der Industrialisierung stieg der gemessene CO2 Anteil auf 440 ppm, was einer Steigerung von 40%(!!!) entspricht.
Die gegenwärtige Konzentration ist höher als in einer Zeit vor 800.000 Jahren! - gemessen durch verlässliche Eiskernbohrungen.

Beunruhigend ist, dass die Erwärmung sogar schneller erfolgt, als ursprünglich berechnet.
Und auch Exxon wusste Bescheid: bereits in den 1970er Jahren warnte der Wissenschafter James Black vor den Folgen vermehrten Einsatzes von fossilen Brennstoffen und berechnete eine daraus resultierende Erwärmung des Planeten in katastrophalem Ausmaß. Weitere Berechnungen durch eine Expertengruppe prophezeiten dramatische Auswirkungen auf die Umwelt, noch vor 2050. Ab den 1990ern startete Exxon Kampagnen um zu beruhigen und durch Menschen verursachte Veränderungen in Frage zu stellen. Schließlich geht das Geschäft bevor und man gab Unsummen für "wissenschaftlich" untermauerte Pseudo-"Fakten" (fakenews) aus.
Also wohl kein Zufall, dass Ivar Giaever auf der Gehaltsliste des "Heartland Instituts" ( - subventioniert vom Öl-Riesen ExxonMobil, den Pharma-Konzernen GlaxoSmithKline, Pfizer und dem Tabak-Riesen Philip Morris) steht - oder?

Erfreulich jedenfalls, dass wir am 18.07.2019 im Gemeinderat mehrheitlich das "Klima-Manifest Wienerwald" absegnen konnten.
Traurig, dass noch nicht alle die Relevanz und die Dringlichkeit an erforderlichen Maßnahmen erkennen. Denn wir müssen JETZT handeln. Umso wichtiger deshalb, dass es GRÜNE Gemeinderätinnen und -räte gibt! #gruenwirkt

LINKS:
» Abstimmungsverhalten GR Sitzung 18.07.: http://bit.ly/gr-sitzung-ww_20190718​
» Klima-Manifest Wienerwald
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Weiterführend, zum Artikel:
» Scientific American: Exxon Knew​​​
» BBC Artikel: Deep Ice tells long Climate Story