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am 20. Dezember 2017

Achau versinkt im Schwerverkehr

Christian Apl - Bei einem Lokalaugenschein in Achau machten sich Monika Hobek-Zimmermann, die Grüne Spitzenkandidatin zur Landtagswahl aus dem Bezirk Mödling, und Bezirkssprecher Christian Apl ein Bild von der aktuellen Verkehrssituation in Achau.

AnrainerInnen beklagen, dass durch den immer stärker werdenden Lkw-Verkehr die Lebensqualität im Ort deutlich abgenommen hat. Dauerlärm und Abgasgestank werden unerträglich. Die Hauptstraße, die Lebensader jedes Orts, wurde zur lebensfeindlichen Zone. Überhöhte Geschwindigkeiten machen das Überqueren zum Spießrutenlauf. Schäden wie Spurrinnen und ständig defekte Kanaldeckel auf der Straße und Risse in Häusern sind weitere Hinweise für die Überlastung.

Monika Hobek-Zimmermann beim Lokalaugenschein in Achau

Zahlreiche Vorstöße in den letzten Jahren, um die Belastung einzudämmen, verpufften wirkungslos. Es stellt sich der Eindruck ein, dass die knapp 1.500-Seelen-Gemeinde dem Verkehr einfach geopfert werden soll. Zuständig ist das Land NÖ. Dort nimmt man die Beschwerden zwar entgegen, zeigt aber keinerlei Anstalten eine Abhilfe zu schaffen. Alleine auf der B11 werden 15.000 Fahrzeuge gezählt, auf der B16 9.500. Dabei hatte man einst, als die S1 gebaut wurde, noch damit argumentiert, dass das eine Entlastung für die Gemeinden in der Region sein werde. Wie so oft war das Gegenteil der Fall. In der damaligen Umweltverträglichkeitserklärung wurde für den Planfall 0, also wenn die S1 nicht gebaut wird, für 2010 ebenfalls schon 15.000 Fahrzeuge täglich für die B11 in Achau prognostiziert. Die Prognose war zwar richtig, nur nicht deswegen, weil die S1 nicht gebaut wurde, sondern eben weil die S1 gebaut wurde. Auch die Prognosen für die S1 selbst wurden um bis zu 100% übertroffen (Vgl.​). „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten“ wurde wieder einmal eindruckvoll bestätigt.

 

„Uns ist klar, dass die angesichts des Klimawandels dringend nötige Verkehrswende nicht in Achau beginnen wird, und auch, dass man die BewohnerInnen nicht auf die erfolgreiche Umsetzung der Verkehrswende vertrösten wird können – bei dem äußerst bescheidenen Tempo, das Land und Bund vorgeben, ist damit wohl nicht vor etwa 2070 zu rechnen. Deswegen wird das Land den leider einmal falsch eingeschlagenen Weg zu Ende gehen und die bereits 2002 genehmigte Umfahrung auch für Achau umsetzen müssen, damit das Leben in Achau wieder eine Chance hat“, stellt Christian Apl nüchtern fest. Abhilfe wird auch eine flächendeckende Lkw-Maut schaffen, für Achau wäre das ein Beitrag, um die Mautflüchtlinge zwischen A2 und S1 im übergeordneten Straßennetz zu halten. Eine flächendeckende Lkw-Maut würde auch in Bezug auf den Straßenerhalt und die Sicherheit Sinn machen. Außerdem stünden so zusätzliche Mittel für den Öffentlichen Verkehr zur Verfügung. Es ist höchste Zeit für eine Lkw-Maut​.

 

Nichtsdestotrotz ist gerade in Achau das Dilemma, in das uns die Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte geführt hat, überdeutlich sichtbar. Die Abhängigkeit vom Kfz wurde und wird dadurch immer größer und immer mehr Lebensraum muss für die nötige Infrastruktur geopfert werden. „Das kann keine Zukunft haben“, meint auch Monika Hobek-Zimmermann​ und setzt fort: „wir brauchen eine gründlich neu überdachte Mobilitätspolitik, von der Raumplanung über die Orte der kurzen Wege, die auch zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden können, bis zur massiven Förderung und zum Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel. Das alles ist ja schon länger bekannt. Wann wenn nicht jetzt wird endlich mit der entschlossenen Umsetzung begonnen? Wenn das Land z.B. endlich unsere Forderung für ein 365-Euro-Jahresticket für ganz Niederösterreich umsetzt, könnte die Verantwortlichen beweisen, dass sie den Ernst der Lage verstanden haben.“

In Österreich nimmt der Lkw-Verkehr massiv zu. Anders in der Schweiz. Die Maßnahmen dort, wie Lkw-Maut auf allen Straßen, keine Steuerbegünstigung für Diesel und Forcierung der Bahn beim Gütertransport wirken.