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am 3. August

Grüne Forderungen zur Mobilitätspolitik im Bezirk Mödling

Alfred Trötzmüller, Christian Apl - Der Bezirk Mödling ist einer der am stärksten motorisierten Bezirke von ganz Österreich und damit von einer menchenfreundlichen und klimaverträglichen Mobilitätspolitik noch sehr weit entfernt.

  1. Im zentralen Ballungsraum unseres Bezirks ist das Verkehrsproblem nur zu lösen, wenn motorisierter Individualverkehr reduziert und auf andere Mobilitätsformen wie Zu-Fuß-Gehen, Radfahren und öffentlichen Verkehr verlagert wird. Für zusätzliche Straßen gibt es keinen Platz und zusätzliche Emissionen wie Lärm und Feinstaub würden die Lebensqualität mindern. Die Grünen unterstützen daher alle Maßnahmen zur Förderung dieser alternativen, "sanften" Mobilitätsformen.

  2. In Niederösterreich wird bei Mobilität noch immer hauptsächlich an das Auto gedacht. Das fängt schon bei der Raumplanung an, die in der Vergangenheit die Verkehrsauswirkungen von Flächenwidmungen kaum berücksichtigt hat und bei der das Denken über Gemeindegrenzen hinweg noch immer zu wenig Platz findet. Es gibt zwar einige Ansätze, die in die richtige Richtung gehen, wie das "Kleinregionale Entwicklungskonzept Raum Mödling" aus dem Jahr 2003 und die "Regionale Leitplanung Bezirk Mödling" aus 2015, aber das ist leider auf halbem Wege in mehr oder weniger unverbindlichen Absichtserklärungen steckengeblieben. Da muss mehr daraus werden, und die Grünen unterstützen solche Entwicklungen massiv.

  3. Beim öffentlichen Verkehr ist unsere Region im Vergleich zu anderen Gebieten Niederösterreichs zwar gut bedient. Es gibt vor allem gute Verbindungen von und nach Wien mit der Südbahn, Badner Bahn und einigen Regionalbuslinien. Aber für den Ballungsraum unseres Bezirks müssten nicht ländliche Kriterien, sonder jene einer Großstadt angewendet werden. Und da sind selbst diese leistungsfähigen Bahnlinien schon an ihren Kapazitätsgrenzen und würden Verbesserungen vertragen. Wesentlich mehr Verbesserungsbedarf aber auch -potenzial gibt es bei Aspangbahn und Pottendorfer Linie im Osten des Bezirks. Und bei den Ost-West-Verbindungen in die Orte am Bezirksrand ist der Zustand überhaupt katastrophal. Buslinien im 2-Stunden-Takt mit den letzten Kursen um 19 oder 20 Uhr werden niemanden zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen. Ein abgestimmtes System mit Taktfahrplänen, bestehend aus Hauptlinien und angepassten Maßnahmen zur Flächenerschließung wie Rufbussen und Sammeltaxis, gibt es nicht, und die aufgesplitterten Kompetenzen zwischen Gemeinden, Land, VOR und ÖBB tragen nicht gerade dazu bei, dass sinnvolle Gesamtlösungen entwickelt werden. Die Grünen haben sich schon in der Vergangenheit für ein integriertes Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr im Bezirk Mödling eingesetzt und werden dies weiter tun.

  4. Mittelfristig werden die Verkehrsprobleme im Ballungsraum nur mit der Schaffung zusätzlicher schienengebundener, emissionsfreier Verkehrsmittel bewältigt werden können. Die Grünen denken da an Straßen- oder Lokalbahnen, wobei die technischen Entwicklungen - wie z.B. von fahrerlosen Fahrzeugen - im Auge behalten werden müssen. Überlegungen für neue Lokalbahnstrecken gibt es einerseits für die ehemalige 360er-Strecke zwischen Mödling und Perchtoldsdorf, eventuell mit Weiterführung auf der noch bestehenden Kaltenleutgebnerbahn, und andererseits als West-Ost-Verbindung, z. B. zwischen Hinterbrühl und Schwechat. 

  5. Auch beim Radverkehr scheitern sinnvolle und rasche Lösungen an zersplitterten Kompetenzen. Während das Land viel Geld in touristische Radwege in ländlichen Gebieten investiert und diese wunderschön ausbaut, wird der mindestens genauso wichtige Alltagsradverkehr als Gemeindesache angesehen, und beim Ausbau der betreffenden Routen gibt es nur langsame Fortschritte. Mit dem beschlossenen "Radlgrundnetz" wurden zwar Schwerpunkte gesetzt, aber deren Umsetzung erfolgt nicht mit genügend Druck und genügend finanziellem Einsatz (wobei die erforderlichen Mittel im Vergleich zum Straßenbau ja "lächerlich" gering wären). Eine wichtige Strecke in unserem Bezirk wäre der von den Grünen und von der Radlobby Mödling geforderte "Südbahn-Radhighway", eine leistungsfähige Radroute von Guntramsdorf nach Mödling und dann entlang der Südbahn bis Perchtoldsdorf mit Anschluss nach Liesing und Siebenhirten. Derzeit besteht diese Strecke stellenweise nur aus schmalen Trampelpfaden oder ist überhaupt nicht legal befahrbar. Sie würde das Radfahren nicht nur für Fahrten nach Wien, sondern auch zwischen den Gemeinden des Bezirks wesentlich attraktiver machen.

  6. Fahrradabstellplätze sind vielerorts noch immer Mangelware, besonders bei Gastronomie-Lokalen und Veranstaltungsstätten. Die in der Bautechnikverordnung festgelegten Mindeststellplatzzahlen, die ohnedies nur bei Neubauten schlagend werden, sind mit einem Platz je Wohnung oder einem Platz je 20 Gastronomie-Sitzplätzen außerdem viel zu gering, wenn man den Radverkehr ernsthaft fördern will. 

  7. Obwohl Vorschläge für eine verstärkte Parkraumbewirtschaftung (z. B. sogenannte "Grüne Zonen" mit Anrainerparkpickerl) meist auf Ablehnung stoßen, wird man mittelfristig in Bereichen mit großem Parkraumdruck wahrscheinlich nicht auf dieses Lenkungsmittel verzichten können. Ein wichtiger Effekt davon wäre auch, dass private Garagen verstärkt benützt würden und das Auto nicht aus Bequemlichkeit vor der Einfahrt stehen bleibt. Unsere Straßen und Gassen sollen wieder mehr als Lebensraum und weniger als kostenlose Abstellfläche für die meiste Zeit ungenutzte Autos dienen.

  8. Die Förderung von Elektromobilität kann unsere Verkehrsprobleme nicht lösen, stellt aber trotzdem - in Verbindung mit Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen - eine wichtige Maßnahme zur Erreichung der Klimaschutzziele dar.

  9. Das KDZ, Zentrum für Verwaltungsforschung hat in einer im Feburar 2017 erschienenen Studie zum stadtregionalen öffentlichen Verkehr​ herausgarbeitet, wo es punkto Organisation, Steuerung und Finanzierung überall noch sehr großes Verbesserungspotenzial gibt.​ Die Studie kommt z.B. zum Ergebnis, dass die Zuständigkeiten und damit die Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt sind. Da die Öffentlichen Verkehre besonders in urbanen Regionen wie dem Bezirk Mödling gemeindeübergreifend zu organisieren sind und das derzeit bestenfalls auf freiwilliger Basis geschieht, müssen Entscheidungsstrukturen so institutionalisiert werden, das Rechtsunsicherheiten ausgeschlossen werden und z.B. klar ist, wer etwaige Förderungen abholen kann.
    Die Studie stellt aber auch fest: "Insgesamt besteht eine generelle Unterfinanzierung des öffentlichen Verkehrs. Dies betrifft sowohl den Betrieb, die Infrastruktur als auch den Netzausbau. Insbesondere in Stadtregionen kommt noch hinzu, dass Finanzströme nicht im selben Ausmaß wachsen wie die Ausbaubedarfe, welche aufgrund der steigenden Bevölkerungszahlen und Fahrgastzahlen entstehen.
    Dies ist auch Ergebnis eines häufigen Fehlens von politischen Leitlinien für den öffentlichen Verkehr. Insbesondere die Konkurrenz zum motorisierten Individualverkehr wirkt sich hier negativ auf den öffentlichen Verkehr aus, da nicht ausreichend Anreize für einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bereitstehen.​" (Quelle, S. 16​)


Weiterführende lokale und regionale Umsetzungsansätze


Mobilität in Biedermannsdorf

Verkehr in Breitenfurt

Verkehr in Brunn am Gebirge

Mehr Südbahn für Gumpoldskirchen

In Guntramsdorf bewegt sich alles​

Barrierefreiheit in Kaltenleutgeben

Die Lage in Laxenburg

Maria Enzersdorfer Initiativen

Solares Maria Enzersdorf

​Verkehr in Mödling

Gerhard Wannenmachers Berichte von ganz vorne​​

Analyse aus Perchtoldsdorf​​​

D​er Perchtoldsdorfer Mobilitätsblog​​

Pionierarbeit in Vösendorf

Paradiespflegearbeit in Wienerwald​ :)

Ein visionäres Projekt: Tram on Demand​


Ansätze vom Land her


​SUM - Das Stadt-Umland-Management Wien/Niederösterreich: Regionale Leitplanung für den Bezirk Mödling

Radland Niederösterreich: Mödling